Wilhelm Leibl (1844-1900)

Bildnis eines Knaben (Knabenkopf)

Radierung, 1874.
Oben links Verlegeradresse (Heinrich Wetteroth München GDR),
rechts röm. “II.”- Unten rechts in der Platte zweifach bezeichnet :
“W. Leibl” (sehr klein kursiv, darunter eher typogr.)

Darstellung (mit Plattenrand) : 8 × 6,5 cm – Papierformat : 28 × 22 cm

Unberührtes Exemplar auf vollrandigem,
ganz schwach gebräuntem Kupferdruckpapier.
Die Darstellung selbst dadurch ohne jede erkennbare Beinträchtigung.

Plattenzustand IV (von 5).

Literatur : Felix Billeter : Katalog der Radierungen [W. Leibls].
In : Wilhelm Leibl zum 150. Geburtstag. Herausgegeben von Götz Czymmek und Christian Lang. – Begleitpublikation zu den Ausstellungen in der Neuen Pinakothek, München und dem Wallraf-Richartz-Museum, Köln. – 1994 , Seite 562 (B9).

“Auf einer seiner kleinsten Platten radierte Leibl den Kopf eines nicht weiter bekannten Knaben. Solcherart Köpfe von Jungen oder auch ganzfigurige Bildnisse, etwa »Sitzender Bauersjunge« (Berlin) von ca. 1875, malte Leibl häufiger. Es ist zusammen mit der »Lesenden Bauersfrau« (B 6) eine der dunkelsten Radierungen.
In einem ersten Zustand der Platte (Berlin, Kupferstichkabinett) ist die linke Wangenpartie des Knaben schon verschattet, aber noch hell und klar abgegrenzt vom Dunkel des Hintergrunds. Leibl verbesserte dies in einer Überarbeitung, so daß diese Wange in späteren Abzügen nur noch schwer vom Hintergrund unterscheidbar wird. Wie auch die »Lesende Bauersfrau« wurde der »Knabenkopf« vom Münchner Verein für Original-Radierung publiziert, woher auch die römische Zwei (Zustand III) herrührt. Andere Radierungen dieser zweiten Mappe des genannten Vereins tragen ebenfalls ein »II.« rechts oben in der Platte. Danach scheint die Platte in den Besitz des Druckers Heinrich Wetteroth gelangt zu sein, der, bevor er seinen Namen in die Platte radierte (Zustand IV), einzelne Abzüge mikroskopisch klein links unten mit Bleistift signierte (z. B. München, Staatliche Graphische Sammlung, Inventar Nr. 1931/554 D). Eine Rarität ist der Belegabzug nach der gelochten Platte, womit man weitere Nachdrucke vermeiden wollte.

Leibl interessiert an dem Kopf des Knaben besonders, wie er im Licht sich rundet. Von links kommend streift das Licht den Kopf derart, daß die rechte Hälfte hell und deutlich erscheint, die linke hingegen wieder im Dunkel des Hintergrunds versinkt. Sehenswert ist die unterschiedliche graphische Behandlung des Gesichts, das mit kurzen Strichen gezeichnet wird, so die glatt nach vorne gebürsteten Haare. Das Gewandoberteil und der Hintergrund hingegen werden in verschieden dichten Kreuzlagen schraffiert. Der Knabe schaut in einer Mischung aus Traurigkeit und Trotz zum Betrachter auf …” (F. Billeter, in o.g. Publikation)

Vita : Geboren 1844 in Köln, gestorben 1900 in Würzburg.
Frühjahr 1863 Übersiedelung zum Studium nach München. Gemeinsames Atelier (1869) mit Theodor Alt, Johann Sperl und Rudolf Hirth du Frênes. Bis ca. 1873 bildet sich der sog. “Leibl-Kreis” aus. Im gleichen Jahr Begegnung Leibls mit Gustave Courbet. Leibl geht nach Paris, dort lernt er Otto Scholderer und Louis Eysen kennen. 1870 Begegnung mit Hans Thoma, 1871 Carl Schuch u. Wilhelm Trübner. Weitere Stationen seines Malerlebens : Graßlfing bei Dachau, Unterschondorf (1875-1877), Berbling (1878-1881), Bad Aibling (1881-1892) u. schließlich Kutterling (1892-1900). Seit 1878 lebt Leibl mit seinem Freund Johann Sperl zusammen. Einige Bilder werde zusammen gemalt : Sperl malt die Landschaft, Leibl die Figuren. – Das gesamte Schaffen W. Leibls zentriert beinahe ausschließlich sich auf das Bildnis des Menschen.

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